Jo mir sind Räbesäck, aber sell isch wohr…..

Am 11. Februar 1911 wurde der Narrenverein Oberlauchringen von Karl Ringgeler, Dr. Adolf Amann, Willi Maasdorf, August Ringgeler, Theodor Knecht, Karl Morath, Hermann Kaiser, Alfons Hartmann, Alois Bercher, August Wagner, Friedrich Muffler und Adolf Albiez im Gasthof „Hirschen“ ins Leben gerufen. Dem jungen Verein hatten die Väter eine sieben Punkte umfassende Satzung in die Wiege gelegt, die eine Art Richtlinie zur Pflege der Dorfnarretei darstellt. Mit 37 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 50 Pfennig gingen sie gemeinsam ans Werk die Oberlauchringer Fasnacht interessant zu gestalten. Doch bald konnten die jungen Narren ihr Vorhaben nicht mehr ausführen: Der erste Weltkrieg lähmte jede närrische Tätigkeit zehn Jahre lang.

So schrieb der Damalige Schriftführer Willi Maasdorf in das Protokoll von 1921: „ Wir mussten erst sehe, ob nach diesem Weltuntergang noch genügend Narren vorhanden sind, unsere begonnen Arbeit fortzusetzen.“ Dies ergab, dass im besagten Jahr der Verein sich mit Max Kraus, Hermann Kaiser, Philipp Keller, Josef Krügle und Emil Stoll neu formierte. Es gehört viel Mut und Idealismus dazu, in so schwierigen Zeiten diesen Verein nicht untergehen zu lassen.

Trotz der Widrigkeiten ging die Narretei in Oberlauchringen nicht in die Brüche. Schon im Jahre 1929 veranstaltete der Verein ein großes Internationales Straßenrennen, das in sämtlicher Rennklassen und mit oder ohne Beiwagen gestartet wurde. Dies war sicherlich ein großer Spaß für alle Beteiligten und abends vergnügten sich die Leute an den Preismaskenbällen. Die Straßenfasnacht 1933 mit der Aufführung der „Elsbeth von der Küssaburg“ dürfte auch heute noch bei den älteren Oberlauchringern in lebendiger Erinnerung sein. Selbst die Schuljugend von damals beteiligte sich. Die Fasnacht 1936 brachte nochmals eine Tanzshow, die von vier großen Gruppen bestritten wurde. Aber danach wurde die Fasnacht von dem zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit aus dem Dorf verbannt.

Dennoch war sie nicht vergessen. Es scharten sich wieder Bürger zusammen, die 1949 sorgsam den Humor, die Fasnacht und dem Narrenverein auf die Beine halfen. Im Jahr 1955 weihte der Narrenverein die von Ehrenpräsident Walter Hübner kunstvoll gestaltete Narrenfahne mit dem Symbol der „Räbe“. Hübner war es auch, der die Kostüme für die Prinzengarde entwarf.

 

Einen weiteren Höhepunkt bildete 1961 die Feier zum 50-jährigen Bestehen des Vereins. Kaum zu glauben und heute praktisch unmöglich: Ein Festzug von fünfzehn Wagen allein aus Oberlauchringen wurde auf die Beine gestellt und zog durchs ganze Dorf und sogar bis nach Tiengen. Mit dabei waren Wagen und Kapellen, die Unterlauchringer Schwanenmüller, die Narrengesellschaft Horheim, und Schwerzen. Vier Jahre später präsentierte sich der Elferrat erstmals in seiner neuen Uniform. Entworfen war diese wiederum durch Walter Hübners Idee. Auch das „goldene Buch“ heute ein Stück bebilderter Vereinsgeschichte, ist ebenfalls Hübners Werk, dessen künstlerische Begabung der Narrenverein viel zu verdanken hat.

                                                                                                                                        

Mit dem Bau der Mehrzweckhalle konzentrierte sich das fasnächtliche Geschehen in „Räbenheim“ immer mehr in und um das neue Gebäude. Es galt, diesen etwas sterilen Raum alljährlich närrisch für die bunten Abenden und Maskenbällen zu dekorieren. Aus dieser Überlegung heraus schufen 1977 die Herren Christian Wirth den künstlerischen und Elferrat Gerhard Widder den technischen Teil zu dem einmalig gelungenen „Räbenkeller“. Ein Jahr später wurde den Narren eine nach dem Oberlauchringer Symbol , dem Räbensack, angefertigte Räbenmaske, ebenfalls von Christian Wirth entworfen und gestaltet, vorgestellt, die den uneingeschränkten Beifall von allen erntete. Seit 1983 ist der Oberlauchringer Verein auch im Bonndorfer Narrenmuseum mit dem Räbensäck vertreten.

Mit der Eintragung in das Vereinsregister am 29. Juli 1985 und dem Inkrafttreten der neuen, 14 Punkte umfassenden Satzung wurde der Narrenverein zu einer gemeinnützigen Organisation erklärt. Seit dem trägt er offiziell den Namen „Narrenverein Räbenheim Oberlauchringen e.V.“ . Es zählen nicht nur der Elferrat, sondern auch die Räbenwieber, die Rote und Grüne Garde, sowie die Räbensäcke als Maskenträger zu den offiziellen Mitgliedern der Vereins. Etwas später kamen die „Aktiven“ als eigenständige Abteilung hinzu. Selbst der Nachwuchs wurde als Räbensamen bei Umzügen oder den Bunten Abenden mitgenommen und präsentiert.

Der 75. Geburtstag des Narrenvereins wurde 1986 mit einem großen Narrentreffen gefeiert. Unter den Teilnehmer befanden sich 10 Narrenvereine, drei Guggenmusiken und einige örtliche Vereine. Der Festumzug führte durch ganz Oberlauchringen und endete in der Kirchstraße. Diese wurde hierfür in eine kleine Budenstadt verwandelt, welche die hiesigen Vereine betrieben. Angesichts der großen Anzahl von Teilnehmern herrschte im ganzen Altdorf ein fröhliches und buntes Treiben.

Um dem Ortsbild über die närrischen Tage einen fasnächtlichen Ausdruck zu verleihen, wurden von Clemens Nirk und Christian Wirth große Narrenfsahnen hergestellt. Diese waren erstmalig am „schmutzigen Dunschtig“ 1987 zu sehen. Ende der Achtziger Jahre ergaben sich einige Neuerungen für den Narrenverein und die Räbenheimer Fasnacht. So veränderte sich die Personalstruktur des Vereins durch den Austritt einiger altgedienter Elferräte. Dieser Verlust wurde ausgeglichen durch die gleichzeitige Neuaufnahme von acht Aktivmitgliedern. Fast alle von ihnen wurden nach zweijähriger Probezeit, wie es die Tradition will, in den Elferrat aufgenommen.

Weiter wurde 1989 erstmals ein großes Festzelt über die Fasnachtstage am Lindeplatz aufgestellt. Somit kam der typischen Straßenfasnacht wieder eine größere Bedeutung zu. Das närrische Treiben spielte sich jetzt wieder mehr unter freiem Himmel, in den Besenwirtschaften der Kirchstraße ab. Aus diesem Wandel resultierte der Bau der „Räbenwieber-Kaffeestube“ im Hause Leute, welcher unter der Federführung von Walter Schmidt realisiert wurde.

Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg, diel 1991 die Fasnacht aus. Für das 80. Jubiläumsjahr waren schon alle Veranstaltungen vorbereitet. Es wurde extra ein großer Narrenumzug organisiert, für den sich viele auswärtige Narrenvereine angesagt hatten. Doch dann machte der Golfkrieg den Narren in unserem Land ein Strich durch die Rechnung und es wurden landauf und landab alle Karnevalsveranstaltungen abgesagt. So konnte in diesem Jahr neuentstandene Junggarde gar nicht der Räbernheimer Bevölkerung vorgestellt werden. Durch ihre Gründung soll die Oberlauchringer Fasnacht noch großartiger und reichhaltiger gemacht werden. Hierzu wurde die Junggarde, mit besonderen Kostümen, von Christa Schönwälder ausgestattet.

1999 wurde dann das 90. Vereinsjahr mit einem großen Narrentreffen gefeiert. Hierzu kamen über 45 Zünfte, Vereine und Guggenmusiken aus Nah und Fern nach Räbenheim. Am Vorabend des großen Narrenumzugs wurde ein Sternenmarsch von Guggenmusiken und der Hexensprung der Schlosshexen Tiengen organisiert und vorgeführt.

Im selben Jahr wurde erstmals das „Lindeplatzfest mit Velo-Rallye“ ausgetragen. Dabei werden befreundete Vereine der Räbenheimer eingeladen, die dann mit dem Velo gegeneinander antreten und um den Wanderpokal wettfeiern. An im Dorf verteilten Stationen, die mit dem Fahrrad angefahren werden, müssen die Teilnehmer Geschicklichkeit, Geduld, Wissen und Teamgeist beweisen. Abends wird auf dem Lindenplatz dann ausgiebig mit den Vereinen und der Bevölkerung gefeiert. Das Lindenplatzfest ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Narrenvereins Räbenheim und findet jeweils am dritten Samstag im August statt.